Missionstatement

Mission/ Problemstellung

Unternehmen der deutschen Textilindustrie sind mit der digitalen Transformation von Geschäfts- und Produktionsprozessen hin zu einer „Industrie 4.0“ konfrontiert. Kleine und mittlere Unternehmen müssen die Herausforderungen der Digitalisierung bewältigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Knapp 33% der Produktionsbelegschaft ist über 50 Jahre alt, während der Anteil in anderen Branchen bei 22% liegt. Demnach liegt in der Textilbranche ein recht hoher Anteil älterer Beschäftigter vor. Insgesamt ist die Belegschaft heterogen hinsichtlich Erfahrung und Wissensstand. Durch die Interaktion mit intelligenten Systemen an Maschinen und mit zunehmender Automation ändern sich Prozesse, Arbeitsstrukturen und Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Ebenen. Die Arbeitsinhalte werden komplexer, erweiterte und veränderte Kompetenzen werden notwendig.

Lösungsansatz & Ziele

Foto Plakat BandwebmaschineDie interdisziplinäre Forschungsgruppe SozioTex unter der Leitung von Dr. Fabian Schreiber am Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen entwickelt in Zusammenarbeit mit den zukünftigen Nutzern in partizipativer Vorgehensweise ein digitales Assistenzsystem, das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Weberei differenziert unterstützt. Das digitale Assistenzsystem liegt hier in Form einer App für Tablets und Smartphones vor. Bei der Entwicklung werden die ELSI- Aspekte (Ethic, Legal and Social Issues) berücksichtigt. Der Forschungsschwerpunkt liegt auf der Analyse und gezielten Gestaltung von soziotechnischen Systemen für eine älter werdende Belegschaft, insbesondere beim Umgang mit innovativen und vernetzten Produktionsschritten. Die Auswirkung und die Akzeptanz der digitalen Assistenzsysteme werden am Beispiel der Textilbranche untersucht.

Ziele sind – mit Fokus auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Altersstufen – die Konzeption, Entwicklung und Einführung der technischen sowie sozialen Innovationen (z. B. Kompetenzaufbau und Arbeitsorganisation) für die Textilindustrie, die für eine erfolgreiche Mensch-Maschine-Interaktion nötig sind. Aspekte der Lernförderlichkeit, Produktivitätserhöhung und Nutzerorientierung stehen bei der Entwicklung im Vordergrund.

Methodik

Um die gesteckten Ziele zu erreichen, wird das Assistenzsystem iterativ, partizipativ und interdisziplinär entwickelt und kontinuierlich angepasst. In mehreren Iterationsschleifen werden Prototypen des Assistenzsystems zunächst im Labor und dann unter Einbezug der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer direkt auf dem Shopfloor getestet und anschließend adaptiert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind von Anfang an in Konzeption und Gestaltung des Assistenzsystems eingebunden, um in Interaktion mit diesem die betrieblichen Ziele zu erreichen und ihre Qualifikation zu erhalten bzw. zu erhöhen. Kompetenzen der Ingenieurswissenschaft, Soziologie und Bildungswissenschaft decken die erforderlichen Perspektiven ab.

Das digitale Assistenzsystem

  • Digitales lernförderliches Assistenzsystem für heterogene Beschäftigtengruppen nutzerorientiert entwickelt auf Basis partizipativ erhobener Anforderungen
  • Implementation der technischen Lösung im Unternehmen unter Berücksichtigung ihrer Wechselwirkungen mit betrieblichen Akteuren und Strukturen

Generalisiertes Vorgehensmodell

Die Erarbeitung eines allgemeinen Vorgehensmodells für die Entwicklung und Implementation digitaler Assistenzsysteme soll perspektivisch auf Unternehmen anderer Branchen, die keine Ressourcen für die Selbstentwicklung besitzen, übertragbar sein.